Kommende Ausstellungen

04.03. – 03.04.2022 HOME! Identitäten

Christina Böckler, Tim Cierpiszewski, Johannes Gramm, Monika Hanfland, Christoph Hildebrand, Young-Jae Lee

Ausstellungsdauer: 04.03. – 03.04.2022

Kurator: Denis Bury

HOME!

Eine exemplarische Bestandsaufnahme künstlerischer Positionen in Essen und der Metropole Ruhr.

Mit der fünfteiligen Ausstellungs- und Projektreihe HOME! im Kunsthaus Essen wird die „Metropole Ruhr“ als Wissensspeicher und Produktionsort künstlerischer Arbeit diskutiert. In jedem Kapitel werden dazu unter Berücksichtigung bestimmter Schwerpunktsetzungen verschiedene Koordinaten und Bezüge aufgerufen. Als verbindende Basis fungiert dabei das Kunsthaus Essen in seiner Eigenschaft als Ausstellungsort, Recherchemodul und Wegweiser möglicher Blickachsen, die eine neue Wahrnehmung der regional verorteten Kunstproduktion zulassen.
Parallel zu den Ausstellungen im Kunsthaus werden zur eigenen Erkundung imaginäre Wege durch das Ruhrgebiet ausgewiesen, die u.a. zu Kunst im öffentlichen Raum, historischem Kulturgut sowie ausgewählten Sammlungen der Region führen.
Darüber hinaus ist für die Ausstellungsbesucher*innen eine kleine, neu angelegte „Bibliothek der Möglichkeiten“ zugänglich, die ausgewählte Sammlungskataloge, biographische Publikationen und Beispiele literarischer Auseinandersetzungen mit der Region enthält. Das Inventar der Bibliothek wird im Zuge der Projektentwicklung fortlaufend erweitert und ergänzt. Zugeordnet werden dem physischen Bestand der Bibliothek Links und Hinweise, die zu themenrelevanten Internetseiten führen.
Bereitgestellte Podcasts mit den beteiligten Künstler*innen laden künftig zur unmittelbaren Auseinandersetzung mit künstlerischen Sichtweisen und Ideenfindungen ein.

 

HOME! Identitäten

Im drittel Kapitel der fünfteiligen Ausstellungs- und Projektreihe „HOME!“ werden formal wie inhaltlich sehr unterschiedliche Arbeiten Nähe zueinander in der Auseinandersetzung suchen. Begriffe wie Identität, Charakter, Abgrenzung, Eigenständigkeit, Tendenz und Vielfalt stehen dabei zur Diskussion und thematisieren Heterogenität sowie Kontextualität als Prinzip künstlerischen Schaffens.

Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von der individuellen künstlerischen Selbstbefragung bis hin zur zeitgeistorientierten Auseinandersetzung. Verknüpft werden Arbeiten aus der Keramischen Werkstatt Margarethenhöhe und von ihrer Leiterin, Young-Jae Lee, die sich als individuelle Gestaltungen im Ensemble ähnlicher keramischer Werke behaupten und eine eigene künstlerische Handschrift sichtbar machen, mit Piktogrammen von Christoph Hildebrand, welche die zeitlichen Dimensionen zeitgenössischen Kunstschaffens aufgreifen und auf die Unruhe und Fragen der ständigen Anpassung verweisen. Weiter ins Private und rückspiegelnd auf Fragen menschlicher Beziehungen zielt die fotografische Dokumentation des Zusammenlebens von Liebespuppen und ihren Besitzern durch Monika Hanfland. Christina Böckler betont in ihren collagenähnlichen Plastiken Biografisches und Triviales, indem sie aus dem „ausgemusterten Strandgut einer Überflussgesellschaft“ und dem Mix verschiedener Identitäten neue Stillleben entstehen lässt. Tim Cierpiszewski wiederum arbeitet mit bildnerischen Überlagerungen, die kunsthistorische Aspekte und Zeitgeist samplen. Johannes Gramm schließlich initiiert die künstlerische Selbstbefragung anhand fotografisch inszenierter und mit digitalen Eingriffen veränderter Portraits.

Der durchscheinende Zeitgeist kann darüber hinaus in einer Exkursion zum erst im vergangenen Jahr aufgestellten Lenin-Denkmal in Gelsenkirchen ebenso überprüft werden wie an Werken der Street Art, die im gesamten (Stadt)raum der Metropole Ruhr zu finden sind.


 

Christina Böckler

Mit dem klassischen Begriff der Plastik kommt man bezogen auf Christina Böcklers Kompositionen nicht recht weiter, und auch der Terminus der Installation erscheint unpassend, weil frei von jeder Poesie. (…) Wer sich die bildhauerische Arbeit der Künstlerin vor Augen führt, möchte meinen, dass sich nahezu durchgängig das Thema Stillleben aufdrängt. Wobei hier aufgrund der spezifischen Materialien und ihrer Organisation ein geradezu gegenläufiges Verfahren ins Spiel kommt. Den meist über einen längeren Zeitraum durch Kombinationen und Applikationen entstehenden Werken liegt ein Material zugrunde, das im besten Sinne als totes bezeichnet werden kann: ausgemustertes Strandgut einer Überflussgesellschaft, als Abfall deklariert, zu nichts mehr zu gebrauchen, last exit Müllverbrennung. Christina Böcklers Arbeiten entfalten ihre ganz besondere Kraft und Würde dadurch, dass sie die Dinge in stringenter Kombinatorik, die das Triviale, Biedere und Biographische nicht ausschließt, zum Sprechen bringt. Alles, was eine Funktion hat, ist ersetzbar, so Adornos beiläufige Bemerkung. Unersetzlich ist nur, was zu nichts taugt. Insbesondere diese als untauglich erklärten Dinge, also alles randständige Sammelsurium und sonst Aussortiertes, Übersehenes und Vernutztes ist geradezu prädestiniert dafür, in der Welt der Kunst ein neues, ein wirkmächtiges Leben zu entfalten. Die Kunstwerke von Christina Böckler zeigen uns dieses unverbrauchte Gesicht einer solchen Wiedergeburt im Bereich des Ästhetischen auf eindringliche Weise.
(Dieter Rogge anlässlich der Nominierung zum DEW21 Kunstpreis 2018 Dortmunder U)

Christina Böckler lebt und arbeitet in Duisburg

 

Tim Cierpiszewski

Tim Cierpiszewski arbeitet ortsbezogen und diskutiert den Begriff von Kunst anhand spezifischer Schauflächen. Ähnlich moderner Musikproduktion sampelt er bestehendes Material der Kunstgeschichte und errichtet damit jeweils neue Sichträume. Diese reichen vom klassischen Wandbild über Buchformen hin zu raumgreifenden Installationen.
Cierpiszewski studierte Philosophie an der Universität Essen und wechselte zur Freien Kunst an die Kunstakademie Münster. 2009 erhielt er seinen Meisterbrief und war Meisterschüler. Er ist vor allem im deutschsprachigen Raum zahlreich in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten und organisiert und kuratiert weiterhin Ausstellungen.
(Denis Bury zur Ausstellung „CELLAR“, marie wolfgang – Werkstatt & Praxis Gegenwärtiger Kunst, Essen)

Tim Cierpiszewski lebt und arbeitet in Essen.

Tim Cierpiszewski – Cellar
Tim Cierpiszewski

 

Johannes Gramm
[…] Abschließend möchte ich gern noch etwas aus dem Mailverkehr zwischen Johannes Gramm und mir zitieren, das, wie ich finde den ganzen Gramm, seinen mitreißenden Humor und strenge Ernsthaftigkeit sehr deutlich macht. Er schreibt: „Als Bildner ist man in der Lage etwas sichtbar zu machen, es zu zeigen. Also ist für mich der einzige Grund ein Bild zu machen (trotz Titel und der Freude an verzwickten Geschichten) der Wunsch und die Neugierde wissen zu wollen, wie etwas aussieht: ich mit Brüsten und als ramponierter Held, als Pirat, vom Affen gebissen oder anderen Figuren, die ihrem Wunsch nach Freiheit oder Mut Ausdruck geben usw. Das Ganze zeige ich dann anderen Leuten in Ausstellungen und Veranstaltungen und die machen dann damit was sie wollen.“
(Stefan Scherer zur Ausstellung „J´ai debute, Galerie im Ganserhaus, Wasserburg)
Johannes Gramm lebt und arbeitet in Essen und Zeeland (NL).

Stefan Scherer

Johannes Gramm

 

Monika Hanfland

Eine Liebespuppe wird nach den individuellen Vorlieben des Kunden designed und auf ihn und seine Bedürfnisse zugeschnitten. In der Gegenüberstellung der technischen Möglichkeiten und ethischen Grenzen zeigt sich die Brisanz des Themas, welches in nicht allzu ferner Zukunft von immer größerer Relevanz sein wird. Entstehen durch die Entwicklung der auf uns zugeschnittenen Liebespuppen neue Arten von Beziehungen, in denen wir uns nicht mehr bemühen müssen?
Monika Hanfland stellt mit ihrer intimen Fotoarbeit Fragen mit einem brisanten gesellschaftsrelevanten Bezug.

Monika Hanfland lebt und arbeitet in Dortmund.

Monika Hanfland

 

Christoph Hildebrand

Christoph Hildebrand

 

Young-Jae Lee

Young-Jae Lee kam 1972 aus Seoul nach Deutschland, um Keramik studieren zu können. Als Leiterin der 1924 von Margarethe Krupp gegründeten Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe verantwortet sie ein Manufakturprogramm, welches sich der Formsprache des Bauhauses verpflichtet fühlt und weiterhin in Editionen den individuellen Charakter keramischen Schafffens herausarbeitet.
Gisela Jahn beschreibt es so: „Die minimale Veränderung ist Young-Jae Lees unbegrenzter Freiraum – in der Form wie in der Farbigkeit der Glasur und der Bemalung. Ihr geht es nicht um Formerfindung, nicht um originäre Leistung, sondern um die Individualität des Gefäßes.“

Young-Jae Lee / Keramische Werkstatt Margaretenhöhe

 

Bibliothek der Möglichkeiten

Die Bibliothek hat einen kleinen physischen Bestand, einlesbar im Kunsthaus Essen zu den Öffnungszeiten und nach Anmeldung. Weiterhin stellen wir Links, Podcasts und Titel zur eigenen Recherche zur Verfügung. Auch Ihre Empfehlungen nehmen wir gern auf.

Schreiben Sie an khe@kunsthaus-essen.de

Webseiten

 

Die Ausstellung HOME! Identitäten wird gefördert von der Sparkasse Essen und dem Kulturamt der Stadt Essen.

 

 

Das Ausstellungsprojekt HOME! wird gefördert durch: