Residence Programm
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Residenz-Programme für Künstler*innen sind Initiativen mit Zukunftspotenzial. Sie ermöglichen nicht nur einen grenzüberschreitenden, häufig interdisziplinären Erfahrungsaustausch, sondern mit ihnen bilden sich neue Netzwerke in einer globalisierten Lebenswirklichkeit. Artist in Residence-Programme schaffen Voraussetzungen für eine künstlerische Arbeit außerhalb des gewohnten Kulturkreises. Sie ermöglichen Künstler*innen neue soziale Kontakte mit den Menschen in ungewohnter Umgebung und fördern so  Erfahrungen mit neuen Kulturkreisen, Lebensweisen und Denkmustern.

Die Residenzorte selbst stehen in einem permanenten Austausch miteinander und vernetzen sich auf nationaler wie internationaler Ebene. Sie fungieren als profilierte Experimentierstätten, unterstützen künstlerische Kollaborationen, schaffen Plattformen für inhaltliche, künstlerische und gesellschaftsrelevante Diskurse.

Der Austausch mit nationalen wie internationalen Künstler*innen und die damit verbundene Förderung eines künstlerischen Ideentransfers haben im Kunsthaus Essen eine lange Tradition. In regelmäßigen Abständen sind hier Künstler*innen zu Gast, um im hauseigenen Residenz-Atelier für einen bestimmten Zeitraum zu leben, zu arbeiten, Ausstellungen oder Projekte zu realisieren und wertvolle Kontakte zur lokalen wie regionalen Kunstszene zu knüpfen. Profitieren konnten von den Artists in Residence-Programmen und -Projekten bislang nicht nur bildende Künstler*innen, sondern ebenso international tätige Performer*innen, Tänzer*innen und Künstlerkollektive.

Neben der Umsetzung eigener Residenzprogramme und -projekte fungiert das Kunsthaus Essen häufig als Kooperationspartner bei extern getragenen Artists in Residence-Projekten und agiert damit innerhalb eines weit verzweigten internationalen Netzwerkes, das sich um einen regelmäßigen Austausch und Vermittlung künstlerischer Ideen bemüht.

Die KHE Residency 2015

Idan Hayosh – Untergang

Idan Hayosh ist der erste Künstler, der von März bis September 2015 die neu geschaffene Residenz im Kunsthaus Essen wahrgenommen hat. Die KHE Residency wurde als Nachfolgeprojekt zum Stipendium „Junge Kunst in Essen“ entwickelt, das nach sechzehnjähriger erfolgreicher Laufzeit eingestellt werden musste. Mit der KHE-Residency sollen junge Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit erhalten, für einen bestimmten Zeitraum im Kunsthaus Essen zu wohnen und zu arbeiten. Die Auswahl der Residenz-Künstler*innen geschieht ausschließlich auf Vorschlag. Gesucht werden dabei Positionen, die sich mit aktuellen künstlerischen wie gesellschaftlich relevanten Fragestellungen beschäftigen und so stellvertretend wesentliche Tendenzen des zeitgenössischen Kunstschaffens reflektieren.

Am Ende seines sechsmonatigen Residenzaufenthaltes im Kunsthaus Essen hat Idan Hayosh eine überwältigende künstlerische Inszenierung geschaffen, die mit optisch wirksamen Versatzstücken arbeitet und damit die abstrakte Idee des „Untergangs“ – so der Titel seiner Ausstellung – physisch und mit allen Sinnen erfahrbar werden lässt. Durch installative Eingriffe in das Ordnungssystem der vorhandenen Ausstellungsarchitektur wird ein Zustand höchster Spannung erlebbar. Warum wird eine Ausstellung für das Publikum geöffnet, wenn doch die dafür vorgesehenen Räume durch eindringendes Wasser eigentlich nicht betretbar sind? Den Künstler interessieren unauflösbare Widersprüche, künstlich herbeigeführte Paradoxien und Zustände erhöhter Alarmbereitschaft, in die er die Besucher seiner raumgreifenden Installationen scheinbar mühelos versetzt. Die fast zwanghaften Ordnungssysteme, mit denen er seine Inszenierungen durchsetzt, widersprechen als formale Setzungen der chaotischen Anarchie, mit der sich die zum Einsatz gebrachten Naturelemente wie Licht und Wasser manifestieren. Und am Ende ist der Besucher froh, den Ausstellungsparcour unbeschadet verlassen zu haben, um kurz darauf – getrieben von einer faszinierenden Erlebnisdichte – die physische wie emotionale Konfrontation mit Idan Hayoshs Untergangsszenario erneut zu suchen.
(Text: Uwe Schramm)

Das KHE Residence-Programm 2021

Das 2021 neu entwickelte KHE-Residence-Programm basiert auf den reichhaltigen Erfahrungen des Kunsthauses Essen im Hinblick auf die Bedarfe von Künstler*innen bei der Wahrnehmung und Ausfüllung von Stipendien, Residenzen und Förderprogrammen. Durch die Finanzierung im Rahmen des NEUSTART KULTURprogramms konnten zu Jahresbeginn drei Residenzen für jeweils einen zweimonatigen Aufenthalt im Kunsthaus Essen ausgeschrieben und per Juryentscheid vergeben werden. Die Ausschreibung richtete sich an Künstler*innen mit Wohnsitz in Deutschland, war thematisch ungebunden und ohne Altersbegrenzung.

Der Residenz-Aufenthalt war gekoppelt an ein monatliches Künstler*innenhonorar in Höhe von 1.500 Euro sowie an einen Fahrtkostenzuschuss und der optionalen Möglichkeit, im Kabinett des Kunsthauses eine Ausstellung oder Präsentation einzurichten.

Die Jury bestand aus Joel Roters (Künstler im Kunsthaus Essen), Denis Bury (Freier Ausstellungsmacher, Betreiber der Werkstatt zeitgenössischer Kunst marie-wolfgang in Essen) und Daniela Risch (Künstlerin, Initiatorin u. Kuratorin des Ausstellungsraums KOP.12 in Essen).

Ausgewählt wurden für die jeweiligen Residenzzeiträume folgende Künstler*innen:

Katrin Kamrau (Juli / August 2021)

Ali Yass Al-Marai (September / Oktober 2021)

Uta Pütz (November / Dezember 2021)

 

Katrin Kamrau

Katrin Kamrau entwickelt ihre künstlerische Arbeiten im Dialog mit Theorien aus den Bildwissenschaften, dem Feminismus und den Gesellschaftswissenschaften. Optische Bilder in ihrer Vielgestalt als öffentliche, image-bildende, mediale Abbilder und als private, identitäts- und erinnerungsstiftende Objekte, formen den Ausgangspunkt ihrer – häufig partizipatorisch angelegten – Werke und Publikationen.
In den vergangenen Jahren hat sich Katrin Kamrau verstärkt mit Archiven, ihrer Organisation und Konstruktion von Wissen gewidmet. Dabei entsteht eine stetig wachsende Sammlung von Produktfotografien, die global zu Werbezwecken eingesetzt wurden, um durch imageprägende Visualisierungen positiv besetzte Inszenierungen industrieller Arbeitswelten im digitalen Zeitalter zu kreieren. Katrin Kamraus künstlerischer Ansatz beruht darauf, publiziertes Bildmaterial und dessen formalästhetische Anlage auf ihre kontextuellen Bedeutungen hin zu untersuchen.
Katrin Kamrau

 

Ali Yass

Ali Yass ist Maler und Filmemacher. Seine Arbeiten kreisen beständig um das Thema Widerstand. Er absolvierte 2015 seinen BA in Bildender Kunst an der Universität von Jordanien und setzte sich für die Organisation des Archivs von Darat al Funun ein, das 30 Jahre Kunstgeschichte in der arabischen Welt umfasst. Seine Werke wurden u.a. in Amman, Manama, Abu Dhabi, Amsterdam, Istanbul, Berlin, Nottingham, Gera, New York City, Frankfurt und Washington, D.C. gezeigt. Derzeit studiert er an der Universität der Künste (UdK) Berlin.
Ali Yass

 

Uta Pütz

Uta Pütz erforscht die Seele der Dinge jenseits ihrer äußeren Erscheinung. Im virtuosen Zusammenspiel verschiedener Medien destilliert sie die Nuancen  gefundener Gegenstände und entlockt ihnen so die Geheimnisse ihres Charakters. Dabei entzieht sie der eigenen künstlerischen Arbeit die letztgültige Kontrolle um den Entstehungsprozess ein Stück weit sich selbst zu überlassen. Innerhalb dieses offenen Konzepts passt sie ihre Arbeitsweise stets an die vor Ort gegebene Situation an.
 
 
Das Artist in Residence-Programm des Kunsthauses Essen wird gefördert von der Stiftung Kunstfonds und dem NEUSTART KULTUR-Programm.
 
 
 
Fotos: Künstler*innen, Stephan von Knobloch