Event Item Titelbild - Kunsthaus Essen KHE

Remember Their Names

21.03.2026 - 05.04.2026

Öffnungszeiten: Di & Do 18 - 20.30 Uhr, Sa & So 14 - 17 Uhr

Ort: Gastatelier (2. Etage)

Eintritt frei

Die Ausstellung richtet sich an Menschen über 18 Jahren. Sie thematisiert Menschenrechtsverletzungen. Die Inhalte sind teilweise drastisch und können verstörend wirken. Kunsthaus Essen e.V. solidarisiert sich mit allen Menschen, die politisch verfolgt werden. Die Wahrung unserer Menschenrechte ist das Ziel, Kunst hilft uns, es zu erreichen und Handlungsbedarfe zu erkennen. Wir weisen auf unseren Code of Conduct hin.

Die folgende persönliche Erklärung der Künstlerin Maja Zakeri beschreibt die Hintergründe ihrer Arbeit und ihre Perspektive auf die aktuelle Situation im Iran.

Künstlerinnenstatement

"Mein Name ist Maja Zakeri, ich bin 36 Jahre alt und komme aus dem Iran. 2016 kam ich als politische Geflüchtete nach Deutschland. Der Grund war ein Buch, das ich über die Rechte von Frauen im Iran geschrieben hatte. Es bekam keine Druckgenehmigung. Ich entschied mich trotzdem, meine Texte in meinen Blogs und auf Facebook zu veröffentlichen. Danach begannen die Probleme. Ich wurde unter Druck
gesetzt, verfolgt und musste schließlich mein Land verlassen. Ohne Pass, über verschneite Berge, erreichte ich die türkische Grenze. Es war eine Entscheidung zwischen Angst und Freiheit – und ich habe mich für die Freiheit entschieden.

Kunst war für mich schon immer mehr als ein Studium oder ein Beruf. Sie war mein Weg zu sprechen, wenn Sprechen gefährlich wurde. In Deutschland bekam ich eine zweite Chance. Ich studierte Fotografie an der FH Bielefeld und absolvierte meinen Master in Professional Media Creation an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Während und nach meinem Studium habe ich mehrere Ausstellungen realisiert – einzeln und in Gruppen. Meine künstlerische Arbeit entstand aus demselben Schmerz und derselben Hoffnung wie mein Buch: dem Kampf der Frauen im Iran gegen Unterdrückung, Gewalt und systematische Einschränkung ihrer Rechte. Ich begann, diese Geschichten fotografisch
zu erzählen – nicht nur als Dokumentation, sondern als emotionale Übersetzung von Widerstand, Würde und innerer Stärke.

Doch die aktuelle Situation im Iran betrifft längst nicht mehr nur Frauenrechte. Was derzeit geschieht, ist eine Gewalt gegen die gesamte Gesellschaft. Unschuldige Menschen werden Opfer massiver Repression. Menschen, die für grundlegende Rechte wie Brot, sauberes Wasser, bezahlbaren Wohnraum und ein würdiges Leben auf die Straße gehen, werden mit brutaler Gewalt konfrontiert. Sicherheitskräfte gehen mit scharfer Munition gegen Demonstrierende vor. Es finden zahlreiche Hinrichtungen statt, teilweise auch von sehr jungen Menschen. Berichte über willkürliche Verhaftungen, Folter und das Verschwindenlassen von Personen erschüttern das Land. Viele Iranerinnen und Iraner im Ausland – besonders in Deutschland – gehen regelmäßig auf die Straße, um auf diese Situation aufmerksam zu machen. Tausende beteiligen sich an Demonstrationen, um Solidarität zu zeigen und internationale Aufmerksamkeit zu fordern.

Als Iranerin, als Künstlerin und als Mensch empfinde ich es als meine Verantwortung, diese Realität nicht zu verschweigen. Meine Ausstellung ist deshalb mehr als ein künstlerisches Projekt. Sie ist ein Versuch, Zeugnis abzulegen. Sie soll zeigen, unter welchen Bedingungen Menschen im Iran leben und kämpfen. Vielleicht ist meine Arbeit nur ein kleiner Beitrag. Aber ich hoffe, dass sie ein Teil einer größeren Bewegung für Menschlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit sein kann – ein Tropfen im Meer des Widerstands gegen Unterdrückung und Gewalt.

Die Ausstellung zeigt die Gesichter der Menschen, die durch die Gewalt des iranischen Regimes ihr Leben verloren haben. Es sind keine anonymen Zahlen. Es sind reale Menschen – mit Namen, Familien, Hoffnungen und Träumen. Neben fotografischen Arbeiten werden auch authentische Videoaufnahmen gezeigt, die von Menschen im Iran selbst aufgenommen und weltweit verbreitet wurden und uns direkt erreicht haben. Diese Videos dokumentieren die Realität auf den Straßen – ungefiltert, unmittelbar und schmerzhaft. Die hohe Zahl der Getöteten ist nicht nur eine Statistik. Es geht um zehntausende ausgelöschte Leben und tausende zerbrochene Zukunftspläne. Hinter jeder Zahl steht eine Geschichte, eine Familie, ein unerfüllter Traum. Diese Schicksale dürfen nicht vergessen werden – sie müssen sichtbar gemacht und benannt werden.

Deutschland und seine politischen Vertreter gehörten zu den ersten, die sich öffentlich solidarisch mit den Menschen im Iran gezeigt und die Verantwortlichen für schwere Menschenrechtsverletzungen klar benannt haben. Das bedeutet für viele Iranerinnen und Iraner im Exil Hoffnung.

Auch wenn diese Ausstellung emotional belastend und erschütternd sein wird, ist es wichtig, darüber zu sprechen. Schweigen hilft den Tätern,
Sichtbarkeit hilft den Opfern. In der Hoffnung auf Freiheit – für den Iran und für alle Menschen weltweit."

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