Janou

Am Anfang ist da ein Beat, der sich in die Beine schleicht. Zurückhaltend und doch bestimmt, elegant und doch lässig. Kurz füllt er den Raum. Dann plötzlich diese Stimme. „When you fell from the sky out of nowhere“ singt sie, direkt, klar, fragil, eine Melodie wie eine warme Wolldecke. Schüchterne Synthesizer schweben hinein. Keine Frage, wenn sich Tagträume in Musik übersetzen ließen, sie klängen wie „Sweet Love“ von Janou.
Es ist die erste Single des Bochumer Duos überhaupt und gleichzeitig Vorbote einer ganzen EP, what we found, geplant für Ende 2020. Vier Lieder, die so reif, so modern, so eingespielt klingen, man mag beim Hören gar nicht glauben, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Minimalistische Beats flirten mit herzzerreißenden elektronischen Sphären und der voluminösen, souligen Stimme von Sängerin Janou. Sofort surren Assoziationen durch den Kopf, große Acts des elektronischen Pops: London Grammar, Rhye, Lykke Li. Mit all denen kann sich Janou schon jetzt messen. Ohne aber in ihrem Sound wirklich vergleichbar zu sein, mit irgendetwas, das man schon kannte, mal gehört hat.
Nein, Janou nehmen uns sanft an die Hand und mit ins Unbekannte, in ihr Innenleben. Intim und nah sind die Texte, das Große wird hier ganz klein. Songs, die klingen wie Urlaub in einer Holzhütte auf dem Mars, die Weite des Universums auf der Veranda.

 

Paul Weber

Paul Weber heißt der Künstler, der es schafft, Gitarrenmusik mit inhaltlichem Tiefgang zu verbinden, dabei einen modernen und zeitlosen Sound zu wählen, mit Druck und feiner Intensität, wie man ihn in Deutschland schon lange nicht mehr gehört hat.
Aufgewachsen ist Paul Weber in Köln, inzwischen lebt er in Berlin. Seine Ausbildung als Bauzeichner weckte das Interesse für Architektur und deren Parallelen zur Musik: „Man entwirft etwas, schafft einen Raum, in dem Menschen sich zuhause fühlen und begegnen können. Man erschafft Dinge, die es noch nicht gibt.“
Die Anfänge sind ganz klassisch: Eine Schülerband mit ersten, selbstgeschriebenen Texten, damals noch auf englisch. Nach dem Abitur verstreut sich die Band in alle Himmelsrichtungen, BWL, Jura, Münster, Jena. Weber spielt stattdessen lieber Wohnzimmerkonzerte, lässt sich treiben. Entdeckt irgendwann deutsche Texte für sich.
„Das erste Album von Wir sind Helden war ein Erweckungserlebnis für mich“. Mit seiner pointierten, haltungsstarken Art zu texten reiht Weber sich irgendwo zwischen Element of Crime, der höchsten Eisenbahn und Von Wegen Lisbeth ein. Textet zeitlos und meinungsstark. „Es gibt so viele deutsche Worte, da muss man erstmal das richtige finden. Ich suche nach Sätzen und Worten, die nicht schon tausendmal gesagt wurde.“

Foto: Tim Loebbert